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Schachweltmeisterschaft der Altersklassen U8 - U12 in Santiago de Compostela (Spanien) vom 4.11.2018 - 15.11.2018 mit Lisa Sickmann (U8w) vom Lübecker Schachverein! Ein kurzer Erfahrungsbericht in Form eines Tagebuches von Olaf Sickmann (Vater)! Fotos: © Olaf Sickmann 2018.

2.11.2018 Endlich ist es soweit! Die Weltmeisterschaft 2018 in Santiago de Compostela (Spanien) kann beginnen und ich freue mich riesig, meine Tochter Lisa begleiten zu können. Lisa ist vom Deutschen Schachbund für die Altersklasse U8w als einzige deutsche Teilnehmerin nominiert worden und wir alle sind sehr stolz, dass sie das geschafft hat. Immerhin spielt sie erst seit Januar 2017 überhaupt Schach. Um 12 Uhr gehts dann los vom Bahnhof Bad Segeberg in Richtung Frankfurter Flughafen, wo wir uns morgen mit der deutschen Delegation treffen und dann alle gemeinsam nach Spanien fliegen. Mit "nur" 2 Stunden Verspätung treffen wir um 20 Uhr am Flughafen ein und checken erstmal im Hotel ein. Ich bin froh, dass wir schon einen Tag früher nach Frankfurt gefahren sind. So können wir uns abends noch in Ruhe die Gegebenheiten vor Ort anschauen und die großartige Atmosphäre des Flughafens genießen. Unser Hotelzimmer liegt im 11. Stock und wir haben einen wunderschönen Blick auf den Airport bei Dunkelheit. Lisa ist super gelaunt und natürlich sehr aufgeregt und mein Hauptjob besteht wohl darin, sie die nächsten 2 Wochen ein wenig zu beruhigen :-).

3.11.2018 Aufgewacht bei strahlend blauem Himmel! Herrlich! Wir haben gut geschlafen und nach einem hervorragenden Frühstück im Hilton geht es nun zur Abflughalle, wo wir uns mit der deutschen Delegation treffen. Mein erster Eindruck: Alle nett, alle aufgeregt (auch wenn's keiner zugibt :) ). Um 12 Uhr hebt dann der Flieger pünktlich ab und wir kommen mit einmal Umsteigen in Madrid um 16.30 Uhr in Santiago an. Glücklicherweise sind auch alle Koffer angekommen und wir werden mit Bussen zu unserem Hotel gebracht. Die WM liegt schon am Flughafen in Santiago in der Luft. Verschiedenste Nationen kommen mit uns dort an und auch in unserem Hotel ist eine große Anzahl an verschiedensten Länderdelegationen untergebracht. Leider kommt dann der erste Schock: DAS ABENDESSEN ist einfach nur gruselig bis widerlich und wir hoffen, dass das Frühstück besser wird und wir uns keine Magenverstimmung holen. Nach einigen netten und informativen Gesprächen mit anderen Eltern in der Hotelbar gehts dann endlich in die Koje

4.11.2018 Reisen ist anstrengend und Lisa und ich wachen ein bisschen gerädert am nächsten Morgen auf. Schnell fertiggemacht und dann ab zum Frühstück. Leider ist auch DAS FRÜHSTÜCK unterirdisch schlecht. Es gibt keinen Aufschnitt (nur Marmelade) und Toast, das man sich selber toasten muss. Dazu eine undefinierbare Rühreimasse mit vor Fett triefendem Speck. Wenn man will, kann man auch Schokopops mit Milch essen. Ein 4-Sterne-Hotel sieht meiner Meinung nach anders aus. Die Zimmer sind aber gut, mit tollem Bad und einer mittellauten Klimaanlage ausgestattet, dessen Lautstärke ich durch Ohrenstöpsel abmildern konnte. Heute Nachmittag steht dann um 16.30 Uhr die erste Partie von Lisa an und sie wurde gerade zu grundsätzlichen Fragen der Eröffnung, der Notation (die sie übrigens in Deutsch machen kann), der Motivation und der WM-Regeln hervorragend vom Bundesnachwuchstrainer Bernd Vökler auf die erste Partie vorbereitet, die sie dann auch sicher gegen eine Spanierin gewinnen kann. Abendessen gibt es übrigens jeden Tag von 20-22 Uhr und wir können in Ruhe die erste Partie bei mittelmäßigem Essen verarbeiten. 5.11.2018 Strahlend blauer Himmel erwartet uns nun heute. Endlich mal kein Regen! Nach einem kurzen Frühstück wird Lisa intensiv auf ihre heutige belgische Gegnerin vorbereitet. Danach machen wir uns zu Fuß auf den Weg in die Stadt, um Proviant für die nächsten Tage und Partien zu kaufen. Das Hotel liegt etwas außerhalb, so dass wir fast 45 Minuten bis zum nächsten Supermarkt gehen müssen. Unterwegs begegnen uns ohne Ende Pilger und es wird schnell klar, dass Santiago eine einzigartige Anziehungskraft auf die Menschen in aller Welt ausüben muss. Zurück im Hotel ist dann auch schon wieder Mittagessen angesagt und wir kommen dabei mit der kanadischen Delegation ins Gespräch und Lisa kann fleißig ihre Englischkenntnisse verbessern. Es macht einfach richtig Spaß, mit den anderen Nationen in Kontakt zu treten und sich auszutauschen. SIESTA! Um 15.15 Uhr fährt der Bus wieder in Richtung Spielort, der übrigens die Bezeichnung "Sensationelle Architektur" verdient hat und mich einfach umgehauen hat. Das Gebäude besteht eigentlich aus vielen verschiedenen Gebäudekomplexen und ist der Jakobsmuschel - dem Zeichen der Pilger - nachempfunden. Zurück zum Schach: Lisas Gegnerin heute ist schon wesentlich stärker als die von gestern, aber Lisa kann einen groben Fehler gut ausnutzen und hat dann das Bauernendspiel sicher gewonnen. 2 aus 2! Großartig liebe Lisa! Alle haben ihr gratuliert und ich bin stolz wie Oscar auf meine Kleine.

5.11.2018 Strahlend blauer Himmel erwartet uns nun heute. Endlich mal kein Regen! Nach einem kurzen Frühstück wird Lisa intensiv auf ihre heutige belgische Gegnerin vorbereitet. Danach machen wir uns zu Fuß auf den Weg in die Stadt, um Proviant für die nächsten Tage und Partien zu kaufen. Das Hotel liegt etwas außerhalb, so dass wir fast 45 Minuten bis zum nächsten Supermarkt gehen müssen. Unterwegs begegnen uns ohne Ende Pilger und es wird schnell klar, dass Santiago eine einzigartige Anziehungskraft auf die Menschen in aller Welt ausüben muss. Zurück im Hotel ist dann auch schon wieder Mittagessen angesagt und wir kommen dabei mit der kanadischen Delegation ins Gespräch und Lisa kann fleißig ihre Englischkenntnisse verbessern. Es macht einfach richtig Spaß, mit den anderen Nationen in Kontakt zu treten und sich auszutauschen. SIESTA! Um 15.15 Uhr fährt der Bus wieder in Richtung Spielort, der übrigens die Bezeichnung "Sensationelle Architektur" verdient hat und mich einfach umgehauen hat. Das Gebäude besteht eigentlich aus vielen verschiedenen Gebäudekomplexen und ist der Jakobsmuschel - dem Zeichen der Pilger - nachempfunden. Zurück zum Schach: Lisas Gegnerin heute ist schon wesentlich stärker als die von gestern, aber Lisa kann einen groben Fehler gut ausnutzen und hat dann das Bauernendspiel sicher gewonnen. 2 aus 2! Großartig liebe Lisa! Alle haben ihr gratuliert und ich bin stolz wie Oscar auf meine Kleine.

6.11.2018 Leider gibts heute wieder Dauerregen. Die ersten Tage waren sehr anstrengend und Lisa ruht sich nun nach der Vorbereitung aus und schaut Fernsehen. Nach dem Mittagessen dann die große Überraschung: Die Runde für heute ist abgesagt! Die Regierung hat aufgrund des herannahenden Sturmes den sogenannten "orangenen Alarm" ausgelöst und den Busverkehr eingestellt. Die Schulen in der Region sind ebenfalls geschlossen. Es gibt also keinen Transfer zur Spielstätte und zurück und wir müssen alle sehen, wie wir den Nachmittag bzw. Abend neu gestalten. Aber zum Glück gibt es erstklassige deutsche Trainer vor Ort, die für alle ein Taktiktraining anbieten, was sehr gerne angenommen wird. Lisa nimmt alles begeistert mit und später schaut sie sich mit ein paar anderen netten Kindern russische Zeichentrickfilme an und nebenbei wird wie selbstverständlich ständig im Internet Schach gespielt.

7.11.2018 Der Sturm und der Regen haben sich gelegt und die Sonne ist wieder hervorgekrochen. Ich nutze die Zeit, um einen Waschsalon aufzusuchen und Lisa spielt ein Simultan gegen die Trainer. Die Vorbereitung auf die georgische Gegnerin war ja schon gestern und somit können die Kinder sich individuell auf ihre heutige Partie vorbereiten. Die heutige Partie wird der erste richtig schwere Brocken werden und ich bin gespannt, wie Lisa sich da durchkämpft. Während ich auf die Wäsche warte, gehe ich ins nächste Café und bin überrascht über die super Qualität des Cappuccinos und des dazu gereichten frischen Gebäcks. Für 1 € !!! Nach dem Mittagessen ist Ausruhen angesagt und dann geht es frisch um 15.15 Uhr zur Spielhalle zur nächsten Partie. Leider hat sich Lisa vor der Partie beim Spielen mit anderen Kindern am Bein und Knie verletzt. Sie muss nach dem ersten Zug vom Turnierarzt behandelt werden und hat dann während der Partie immer mal wieder Schmerzen und Erschöpfungszustände. Nach einer guten Eröffnung gab es leider ein paar falsche Entscheidungen und sie hat die Partie verloren. Aber Lisa hat gekämpft wie ein Löwe und erst nach 3 Stunden aufgegeben. Dazu muss man sagen, dass georgische Schachspieler häufig schon in ganz jungen Jahren sehr gut ausgebildet werden und der Vater von Lisas Gegnerin einen Meistertitel trägt und seine Tochter bestimmt schon seit vielen Jahren trainiert und Lisa mit Schachdilettanten als Eltern und gerade mal 22 Monaten Schachleben auf dem Buckel super dagegen gehalten hat. Den weiteren Abend ist dann psychologische Aufbauarbeit angesagt.

8.11.2018 Das Wetter ist wieder schlecht und die Niederlage gut verarbeitet. Lisa ist zwar immer noch ein wenig sauer wegen der verlorenen Partie, aber es wird langsam besser. Sie hat mit ihrem Coach Bernd Vökler das Match von gestern kurz analysiert und einige Eröffnungsmöglichkeiten gegen ihre heutige peruanische Gegnerin besprochen. Heute fängt die Runde schon um 16 Uhr an und Lisas Partie ist eine wirkliche Nervenschlacht. Nach einem übersehenen Abzug steht sie im Endspiel auf Verlust und die Gegnerin stellt plötzlich ihren Turm ein und behauptet, den Zug nicht gemacht zu haben (Berührt-Geführt-Regelung). Die Partie wurde für 15 Minuten unterbrochen und es wurden 4 Schiedsrichter herangezogen, die dann für Lisa entschieden haben und sie konnte das Endspiel dann sicher gewinnen. Später stellt sich heraus, dass die peruanische Delegation Protest gegen die Schiedsrichterentscheidung eingelegt hat und wir wissen nicht, was daraus wird. Im Moment gehen alle davon aus, dass Lisas Sieg endgültig ist und die neue Auslosung für den nächsten Tag ist auch schon draußen.

9.11.2018 Gut ausgeschlafen gehts zum Frühstück und danach zur Vorbereitung. Heute gibt es eine ukrainische Gegnerin und Lisa wird gut vorbereitet und die Partie von gestern kurz nachbereitet und analysiert. Wir sind jetzt schon fast eine Woche "on the road" und es hat sich sowas wie Normalität eingestellt. Für mich ist alles ziemlich anstrengend, da ich die ganze Zeit damit beschäftigt bin, irgendwie gut auf Lisa aufzupassen, was bei diesem kleinen Energiebündel manchmal gar nicht so einfach ist. Das Wetter ist heute megaschlecht mit super Sturm. Aber die Runde wird nicht abgesagt und wir kommen halb durchnässt beim Spielort an und ich hab glücklicherweise Wechselsachen und Regenklamotten dabei. Lisas heutige Gegnerin kommt aus der Ukraine und ist bestimmt schachlich gut ausgebildet. Die Kinder sitzen sage und schreibe 4,5 Stunden am Brett und dann konnte Lisa einen kleinen Fehler ihrer Gegnerin im Endspiel ausnutzen und den vierten Punkt aus der fünften Partie einfahren. Was für eine Leistung!!! Jetzt mit dem Bus schnell ins Hotel zum Abendessen und dann ab in die Koje.

10.11.2018 + 11.11.2018 Kurz und bündig: 2 Niederlagen gegen Kasachstan! Man merkt, dass das Turnier kein Zuckerschlecken ist und gnadenlos auf die Substanz geht. Es war einfach nicht mehr drin für Lisa.

12.11.2018 Das Wetter scheint jetzt endlich besser zu werden. Die Vorbereitung auf die heutige Partie gegen eine Polin ist erledigt und jetzt heißt es, frische Luft einatmen, Kräfte sammeln und dann nachmittags wieder neu angreifen. SIESTA! 19 Uhr: Ja, ja, ja! Lisa hats geschafft und hat durch einen großartig herausgespielten Sieg sich selbst aus der Abwärtsspirale befreit. 3 Stunden hat der Kampf gedauert und dann kam sie freudestrahlend aus dem Turniersaal. Ich bin so stolz auf meine Kleine. So, jetzt ab zum Hotel, Abendessen, relaxen und dann wieder schlafen, um sich von diesem kräftezehrenden Tag zu erholen. Übrigens, was machen eigentlich alle Eltern und Begleiter, während die Kinder spielen? Ich jedenfalls laufe stundenlang ums Gebäude oder gehe ins Minicafé und frier mir richtig einen ab. Aber die Kinder werden nur aus dem Saal gelassen, wenn eine verantwortliche Person sie abholt. Also muss ich immer in der Nähe bleiben. Folge: ein kleiner grippaler Infekt hat mich und auch einige andere Eltern erwischt.

13.11.2018 Heute morgen werden Lisa und ich endlich mal nach Santiago reinfahren und uns die Kathedrale anschauen. Wir sind schon ganz aufgeregt und ich bin so gespannt, ob das alles so aussieht wie in den Filmen, die ich bisher angeschaut habe. Um 13 Uhr müssen wir schon wieder zurück sein, weil dann ein Gruppenfoto ansteht. Aber jetzt gehts erstmal ab in die Stadt ... und da ist es wunderschön. Die Kathedrale ist ein Augenschmaus und Lisa und ich haben den Anfang einer Messe miterlebt, in der eine Frau einfach traumhaft zu Orgelmusik gesungen hat. Ein sehr ergreifendes Erlebnis und da Lisa auch eine wunderschöne Stimme hat, hab ich mir gleich vorgestellt, wie das wäre, wenn Lisa dort singen würde. Zurück im Hotel gibts dann das Gruppenfoto, danach Mittagessen und dann noch ein wenig Ausruhen für die heutige Partie, die - ich darf es vorwegnehmen - sehr schlecht gelaufen ist. Ein klassischer Übersehfehler im 14. Zug hat Lisa eine Figur gekostet und damit im Endeffekt auch die Partie. Sie ist darüber natürlich sehr traurig und wütend, weil sie bis zu diesem Zug gut gespielt hat. Na ja, dumm gelaufen, aber es gibt ja noch 2 Partien und wer weiß, vielleicht schafft sie ja noch 2 Punkte. Abends noch in Ruhe Abendessen und dann gehts wieder ab ins Bett.

14.11.2018 Wetter super! Stimmung gut! Aber Lisa ist sehr erschöpft und verliert relativ zügig ihre heutige Partie. Da war nichts zu holen für sie. Für den Außenstehenden mag das alles wie Urlaub mit ein bisschen Schach aussehen. Aber Lisa muss sich im Schnitt 4-6 Stunden am Tag mit Schach beschäftigen, was sehr anstrengend und auslaugend ist. Da es ihr erstes richtig großes Turnier mit 11 Runden an 11 Tagen ist, muss man einfach sagen, dass Konzentration und körperliche Fitness erst richtig ausgebildet werden müssen, um so ein Turnier konstant durchspielen zu können. Für ein 8-jähriges Mädchen fast unmöglich. 15.11.2018 Der letzte Tag dieser WM ist angebrochen. Alle sind erschöpft und auch irgendwie froh, dass es heute vorbei ist. Jetzt heißt es, irgendwie nochmal alle Kräfte mobilisieren, damit Lisa ihr Ziel, mehr als 50 % zu erreichen, doch noch schafft. Bisher hat sie 5 von 10 möglichen Punkten und mit einem Sieg gegen die französische U8-Meisterin könnte sie heute ihren sechsten Punkt einfahren. Die Vorbereitung mit dem Bundesnachwuchstrainer verläuft sehr gut und wir drücken alle Lisa ganz fest die Daumen. Die letzte Runde wird heute um 14 Uhr gespielt, da um 20.30 Uhr die Abschlusszeremonie ist und eine Schachpartie durchaus mal 5-6 Stunden dauern kann. Nach ca. 3 Stunden kam Lisa dann aus dem Spielsaal und grinste. JA! Sie hat es geschafft! Sie konnte wieder einen Fehler ihrer Gegnerin ausnutzen und die Partie für sich entscheiden. Die kleine Französin hat bitterlich geweint, denn sie sah schon wie die sichere Siegerin in diesem Duell aus. Aber Schach ist gnadenlos. Freud und Leid liegen dicht beieinander und 20 gute Züge bringen nichts, wenn man im 21. Zug einen Fehler macht und dadurch die Partie verliert. Na ja, uns egal. Diesmal war das Glück auf Lisas Seite. Abends sind wir dann noch zur Abschlussveranstaltung gegangen und es ist wieder sehr bewegend, diese ganzen Nationen zu sehen und diesen unglaublichen sozialen Aspekt einer Schachveranstaltung zu genießen. Auf den vorderen Plätzen sind übrigens fast nur Chinesen, Amerikaner, Inder und Russen zu finden. Bei denen hat Schach noch einen ganz anderen Stellenwert als in Deutschland und die Kinder werden häufig schon von klein auf toptrainiert und können auch in ganz jungen Jahren sehr gute Leistungen vollbringen.

16.11.2018 Um 3.30 Uhr klingelt der Wecker! Der Bus zum Flughafen holt uns um 4.30 Uhr ab und es heißt so langsam, "Adios Spanien" zu sagen. Die gesamte deutsche Delegation läuft ein wenig schlaftrunken und desorientiert durch die Gegend und der Flieger hebt dann pünktlich mit Zwischenstopp in Madrid um 6.40 Uhr ab und wir landen um 11.20 Uhr in Frankfurt. Danach heißt es nochmal Rumhängen bis 16.00 Uhr und dann geht endlich der Zug zurück nach Bad Segeberg, das wir dann um 21.50 Uhr erreichen. Die Deutsche Bahn hat uns nicht im Stich gelassen ;-). Und dann ist unser zweiwöchiges Abenteuer wieder vorbei und wir haben alles gut überstanden.

Resümee: Zuallererst möchten Lisa, meine Frau und ich uns bei all den Personen, Verbänden, Stiftungen und Vereinen bedanken, die uns so großartig unterstützt haben, dass wir diese WM überhaupt realisieren konnten. Ob der Beitrag schachlicher, finanzieller oder moralischer Art war - ALLES war wichtig für uns! Also, da wären: Lübecker SV (hier sind vor allem Thilo Koop und Ullrich Krause zu nennen), Schachjugend Schleswig-Holstein, Schachverband Schleswig-Holstein, Horst-BuschSportler-Stiftung Bad Segeberg, Michael-Haukohl-Stiftung Lübeck, Lisas Trainerin Natasa Strizak, Heiko Spaan (Ref. Leistungssport SVSH), Heinrich-Rantzau-Schule Bad Segeberg, Marcel Klemmer (Schach-AG), Schachfreunde Bad Segeberg, Michael Weiss (Lisas erster Trainer beim Lübecker SV), Lisas Großeltern und viele mehr. Lisa hat ja in der jüngsten Altersklasse U8w (Mädchen Jahrgang 2010 und jünger) mitgespielt und war wirklich sehr fleißig in ihrer Vorbereitung auf die WM. Auf welch hohem Niveau schon in dieser Altersklasse gespielt wird ist unglaublich. Die Kinder sind meistens die besten Spielerinnen ihres Landes und spielen häufig schon 3-4 Jahre mit Großmeistertraining. Um so höher ist Lisas Ergebnis zu bewerten. 6 Siege in 11 Partien, davon eine gegen die ukrainische U8-Meisterin, und eine Platzierung im oberen Mittelfeld sind großartig, wenn man bedenkt, wie kurz Lisa erst Schach spielt und wie wenig Einzeltraining sie im Vergleich zu den anderen Nationen erst gehabt hat. Zum Glück konnte Lisa von einer ehemaligen U18-Weltmeisterin trainiert werden, die genau wusste, was auf Lisa zukommt und sie in kurzer Zeit schachlich verbessert hat. Sie wird in den nächsten Wochen und Monaten schachlich bestimmt ein höheres Niveau erreichen und dann entscheiden können, welchen Weg sie im Schach weiter gehen möchte. Meine Frau Anja und ich sind jedenfalls sehr stolz auf unser kleines Mädchen. Neben dem schachlichen Aspekt gibt es natürlich auch noch den kulturellen und sozialen Aspekt dieser Weltmeisterschaft. Es war sehr schön zu sehen, wie offen Lisa auf die anderen Mädchen zugegangen ist und wie sie versucht hat, mit Händen und Füßen und ein paar Brocken Englisch Kontakt aufzunehmen. Wie vorurteilsfrei und herzlich miteinander umgegangen wurde, war schon bewegend. Wir wünschen uns natürlich, dass Lisa - auf welche Art und Weise auch immer - diese Erfahrungen weitergeben und teilen kann.

Lisa01

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