Drucken
Zugriffe: 523

Derbyzeit am 16.12.18. Sogar doppelte, denn an diesem Tag traf der LSV gleich 2x auf SV Bad Schwartau, wenn auch nicht am selben Ort. In der Landesliga war im LSV-Klubheim LSV II Gastgeber gegen die Schwartauer Erste und in der Schwartauer Schulstraße trafen mit SV Bad Schwartau IV und LSV VIII der (nach Runde 3) Tabellenzweite auf den Ersten.

Beide Begnungen hatten ihren eigenen Reiz. In der Bezirksklasse ging es um die sog. Herbstmeisterschaft und ein paar Kilometer davon entfernt, kam es für LSV II darauf an, die Tabellenspitze in Reichweite zu halten, während das Schwartauer Team bestrebt war, nach zwei mehr oder weniger hohen Niederlagen (Norderstedt II und Eckernförde), wieder Anschluß an das Mittelfeld zu finden.

Mein Weg ging zunächst in die Elisabeth-Seibert-Schule. Später fuhr ich dann noch zu unserem Klubheim, wo ich noch Zeuge eines kleinen Dramas werden sollte.

Der "Spitzenkampf" in der Bezirksklasse war im Grunde keiner. Spannung über den Ausgang dieses Vergleichs wollte nicht so recht aufkommen. Das DWZ-Gefälle war mit unter 100 so gering, das man eigentlich von einem Vergleich auf Augenhöhe ausgehen sollte. Bereits nach knapp 2 Stunden stand es 2:2. Fehler hüben wie drüben führten zu schnellen Materialverlusten und absehbaren Ergebnissen.

Als Erster konnte Jakob Heikamp die Bühne verlassen. Als Schwarzer kam er zu einem flotten Königsangriff und nach 17 Zügen war die Sache erledigt. An Brett 6 ging Niklas Senechal beherzt zur Sache. Im Endspiel mit 2 Leichtfiguren und einem 4 zu 3 Bauernvorteil brachte Niklas mit sauberer Technik den Punkt nach Hause. 

Auf der anderen Seite hatten Vater und Sohn Paulsen diesmal nicht viel zu bestellen. Nahezu gleichzeitig ging bei dem einen der Springer und bei dem anderen gar der Turm verlustig. Vielleicht fehlte etwas die Konzentration. Hatte man sich zuvor mit einer spezellen Form der Nötigung (Zugeparkte Garageneinfahrt) rumschlagen müssen.

Auch bei mit war es an diesem dritten Adventssonntag mit der Konzentration nicht weit her und ich hätte mich beinahe mit der dritten 0 den Paulsens angeschlossen:

Nach dieser 3:2 - Führung waren noch Brett 1 (M. Alkasir), Brett 2 (P. Valverde) und Brett 3 (E. Böttcher) in Arbeit. Elke hatte zwar (bei Turm und Läufer auf dem Brett) einen Bauern weniger, aber praktische Remischancen. Mohammed hatte ein gewonnenes Endspiel vor sich und Paco inszenierte eine schwungvoll vorgetragene Attacke gegen den in der Mitte stecken gebliebenen König. Überraschenderweise war Elke zuerst fertig - und hatte gewonnen! Ihr Gegner hatte zum Bauernenspiel abgewickelt, doch in einer Weise, das es für ihn glatt verloren war. Und nachdem unsere beiden Spitzenbretter ihre Punkte kassiert hatten, stand es nicht 2,5:5,5 (wie erwartet), sondern 2:6 aus Schwartauer Heim-Sicht.

Mit 8 Punkten gehen wir mit LSV VII in die Weihnachtstage. Unmittelbarer Verfolger jetzt mit 2 Punkten Rückstand ist der Lauenburger SV.

Mittlerweile war Ulrich Böttcher in Schwartau eingetroffen und wusste zu berichten, dass Marco zwar verloren habe, doch der Rest stehe ordentlich und Ulrich und Ullrich wohl auf Gewinn.

Also Ortswechsel. Als ich den Spielsaal betrat musste ich mich anhand der Spielberichtskarte erstmal orientieren. Doch was ich da zu Lesen bekam, machte wenig Freude. 7 Bretter beendet und SV Bad Schwartau lag 4:3 in Führung. An Brett 5 war man noch in Gange. Hier saßen sich Oliver Schwarz und Christoph Stäblein gegenüber und damit kommen wir zum bereits erähnten kleinen Drama. Als ich mir die Stellung anguckte, sah es wie folgt aus (nach meiner Erinnerung jedenfalls ungefähr):

Meine Einschätzung: Tot Remis und mit dieser Bewertung stand ich wohl auch nicht alleine. Ich zog mich erstmal zurück, um schon mal die ersten Ligaergebnisse von 4 Heimspielen im CLM einzugeben. Was mittlerweile am Brett geschah, konnte ich nur den umherstehenden Mienen entnehmen. Christoph hatte mittlerweile einen Bauern geopfert und konnte in ein Doppelturmendspiel überleiten und dieses schließlich auch siegreich abschließen. So bitter es auf Schwartauer Seite am Ende auch wahr, umso erleichteter die Gegenseite. Eine einzige Fehlentscheidung mag dazu beigetragen haben. Ein Lied, das viele aus eigener Erfahrung zu singen wissen.

Kaum war die Partie beendet, gingen meine Gedanken in das Jahr 2000 zurück. Damals spielten wir in der 1. Bundesliga und holten drei Meistertitel. Die erste Saison (1999/00) war eine Katastrophe und beinahe wären wir abgestiegen. Manchmal hängt der Klassenverbleib oder Meisterschaft an einem einzigen Zug.

Am 11. März 2000 (Ausrichter war damals der Dresdener SC) hatten wir gegen König Plauen anzutreten und standen (wieder einmal) auf Verlust. Plauen führte 4:3 (s.o.) und benötigte zum Mannschaftssieg nur noch einen halben Punkt. An Tisch 8 saßen sich der Plauener Michael Kuraziewcz und Panagiotis Cladouras gegenüber.

Stellung nach "irgendwann". Beide hatten längst nicht mehr mitgeschrieben. Gespielt wurde damals noch mit analogen Uhren und natürlich ohne Inkrement. Ein Remis und damit der Plauener Mannschaftserfolg schien unausweichlich.

 

Mit Kf4 wäre die Sache erledigt gewesen, doch zum Entsetzen seiner Anhänger folgte Kd3??? und nach Sf3 gab Weiß auf. Der e-Bauer war nicht mehr aufzuhalten. Es bewahrheitet sich halt immer wieder. Man braucht viele Züge, um eine Partie zu gewinnen. Aber es reicht einer, um sie zu verlieren.