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Raus mit Applaus

Am 12./13. Januar ging die 2. Frauenbundesliga in die letzte Doppelrunde: In Wattenscheid waren Steinfurt und Paderborn zu Gast, außerdem Wattenscheids Reisepartner Mülheim. Jenes Mülheim, gegen das wir am 2. Spieltag gewonnen hatten, das in der Tabelle allerdings inzwischen einen Mannschaftspunkt vor uns auf dem rettenden 6. Rang lag. Derweil empfingen wir als Tabellenvorletzte unseren sympathischen Reisepartner und unangefochtenen Spitzenreiter aus Kiel, die uns bis dahin unbekannte aber nicht minder sympathische Mannschaft aus Delmenhorst, mit der wir uns im direkten Abstiegsduell zu messen hatten – und den HSK, gegen den wir seit Jahren immer am letzten Spieltag antreten, ganz gleich in welcher Liga wir gerade spielen.

Sonnabend, 14 Uhr, Regen prasselt auf das Dach der Waldschule in Groß Grönau – unser Ausweichspiellokal ist eingedeckt für ein Saisonfinale, das nichts für schwache Nerven war. (Damit meine ich weder die Sorge, dass die eine oder andere Spielerin aus Lübeck, Kiel oder Hamburg vielleicht doch aus alter Gewohnheit in die Sophienstraße fährt, noch die Frage, ob wir wohl noch rechtzeitig an geeignete Partieformulare und Schreibunterlagen kämen.):

Unser erster Gegner Delmenhorst hatte wie wir erst 2 Mannschaftspunkte gesammelt, nur aufgrund der Brettpunkte lagen wir in der Tabelle vor ihnen. Wer dieses Duell verlieren würde, wäre schon so gut wie weg vom Fenster. Gleichzeitig bliebe der Gewinner weiterhin von den Ergebnissen der Mülheimer abhängig. Wir spielten in nomineller Bestbesetzung. Irina an 1, dann Alva und Alexandra. Ich an 4, Nicole an 5 und Katerina übernahm wieder das letzte Brett. Brett 4 wurde schneller Remis als mir lieb war. Alexandra an 3 jagte bei noch recht vollem Brett einen Bauern durch und brachte uns in Führung. Irina verlor. Ausgleich. Katerina erreichte ein Endspiel mit zwei Mehrbauern und Läufer gegen Turm. Sie spielte es sehr routiniert runter. Großes Drama gleichzeitig bei Nicole, die eine Gewinnstellung erreicht hatte, aber aufgrund mangelnder Spielpraxis mit der Zeit und den Nerven zu kämpfen hatte. Da es ihrer Gegnerin, wenn ich das richtig gesehen habe, gelungen war, eine Zwischenmatt-Drohung einzurichten, galt es trotz der klar besseren Stellung, jederzeit wachsam zu bleiben. Die Nerven hielten, die Zeit auch – 3,5 für uns. Große Erleichterung? Jein. Denn gerade hatte uns die Nachricht erreicht, dass Mülheim gegen Paderborn mit 4:1 in Führung gegangen war. Dass Hamburg uns unmittelbar nach dem Ende von Nicoles Partie auch noch einmal explizit darauf hinwies, wäre jetzt vielleicht nicht unbedingt nötig gewesen, aber doppelt hält ja bekanntlich besser. Vielleicht war es auch nur ihre Freude darüber, dass sie gerade im Begriff waren, gegen Kiel mit einem knappen wie überraschenden Sieg vorzeitig den eigenen Klassenerhalt zu sichern. Knapp endete es schließlich auch bei uns, den Alva verlor. Am Ende hieß es Lübeck –Delmenhorst 3,2:2,5 und Kiel – HSK 2,5:3,5. Mülheim gewann 4:2, Kiels Verfolger Steinfurt und Wattenscheid teilten die Punkte. Damit waren die meisten Entscheidungen in dieser Staffel bereits gefallen. Kiel war an der Spitze nicht mehr einzuholen, Hamburg konnte nicht mehr absteigen, Delmenhorst hatte die traurige Gewissheit, sich auch durch ein Wunder gegen Kiel nicht mehr retten zu können.

Für uns aber blieb es weiter spannend, denn das Fernduell mit Mülheim um den rettenden 6. Tabellenplatz würde am Sonntag fortgesetzt werden – mit besserer Ausgangslage für Mülheim, die weiter einen Mannschaftspunkt und nunmehr außerdem einen halben Brettpunkt vor uns lagen. Mit Steinfurt hatten sie einen starken Gegner. Wir hatten Hamburg, also keine Ahnung, wer da genau kommen würde, wohingegen es bei unserer schmal besetzten Mannschaft eher nicht so kompliziert ist, sich vorzubereiten, wenn man denn wollte. Aber es hilft ja nicht, wir mussten das Ding einfach irgendwie gewinnen – und hoffen, dass Mülheim nichts mehr nachzulegen hat. Um nicht in irgendeine Vorbereitung zu tappen, hatte ich über Nacht beschlossen, im Falle von 1. e4 meine Eröffnung zu wechseln. Dummerweise kam dann tatsächlich 1. e4, entsprechend langsam kam ich aus dem Quark. Traditionell langsam spielte auch Nicole, aber das, was sie dann spielte, sah erstmal recht überzeugend aus. Katerina wurde im Caro Kann ein bisschen überfallen, für sie natürlich kein Grund, sich aus der Ruhe bringen zu lassen (vielleicht kannte sie das Manöver auch einfach?). Richtig schnell ging es ausnahmsweise bei Alva – leider nach hinten los. Irina spielte Remis. Alexandra neben mir setzte ihre beeindruckende Siegesserie fort. Ausgleich. Bei mir erheblicher Zeitnachteil und gleichzeitig keine Ahnung, wie gefährlich die Stellung für mich wirklich war. Trotzdem leicht aufgehellte Stimmung, denn Katerina stand inzwischen erkennbar gut. Nicole und ich würden also zusammen „nur“ noch einen Punkt aufbringen müssen. Das Platzangebot für meine Figuren war zu beschränkt, um einfach ein bisschen rumzuziehen und das Zeitkonto zu konsolidieren. Ich entschied mich, das Zentrum anzuknabbern, um vielleicht zu einem Gegenangriff zu kommen, nahm dann all meinen Mut zusammen und bot einen Läufer zum Fraß an. Nun lief endlich auch mal auf der anderen Seite die Uhr. Der Läufer blieb auf dem Brett. Schade, denn einen anderen Weg, in die gegnerische Stellung einzusteigen, fand ich nicht. Statt dessen mehrten sich nun bald wieder die Drohungen gegen meine Königsstellung. Einmal noch nahm ich mir die Zeit, die Uhr bis auf 3 Sekunden runterlaufen zu lassen, um noch einen finalen Rettungszug zu finden. Ich fand ihn nicht, machte es stattdessen noch schlimmer und reichte im 35. die Hand. Katerina musste sich inzwischen richtig strecken. Das war ein durchaus gutes Zeichen, agierte sie doch in ihrem Endspiel mit 5 Bauern und Springer gegen 3 Bauern und Springer bereits weit in der gegnerischen Hälfte. Und dann plötzlich war es Nicoles Gegnerin, die die Hände vors Gesicht schlug. Das nun war allerdings überhaupt kein gutes Zeichen, die Gute war einfach nur erleichtert. Nicole hatte wohl erst einen komplizierten Gewinnweg nicht gefunden und dann auf Zeit verloren. Damit war Mülheim, unabhängig vom dortigen Ergebnis, für uns unerreichbar. Katerina holte ihren Punkt natürlich trotzdem noch – wir verloren 2,5:3,5. Nun ist es natürlich kein Drama, knapp gegen Hamburg zu verlieren. Tatsächlich bitter wird das Ganze erst durch einen Blick auf das Ergebnis der Mülheimer (das uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorlag). Sie verloren mit demselben Ergebnis. Nur ein halber Punkt mehr und wir hätten sie eingeholt. Aber wäre, wäre Fahrradkette, nun sind wir eben mit 4 Mannschaftspunkten Vorletzter. Wir haben uns achtbar geschlagen und manche von uns mehr als das. Großes Lob also an die Mannschaft, obwohl wir uns hier und da einen Patzer zu viel erlaubt haben (Asche auf mein Haupt), konnten wir bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt mitspielen. Katerina hat am letzten Brett einen sehr guten (4/7), Alexandra an 3 einen sensationellen Score (5/7) geholt! Alva hatte nach starkem Saisonbeginn das Glück leider nicht mehr so ganz auf ihrer Seite. Wenn wir uns allerdings ihre Gegnerschaft an Brett 2 ansehen und uns in Erinnerung rufen, dass die junge Kollegin diese Saison noch in der Gewichtsklasse U14 spielberechtigt war, haben auch ihre 2,5 / 7 durchaus eine lobende Erwähnung verdient!

Auch noch erwähnt sei, dass Kiel am Sonntag gegen Delmenhorst gewann. Die letzte Partie des Tages bestritten Schlüter und Schlueter, wobei Schlüter zum 4,5:1,5 aus Sicht der Doppelbäuerinnen vollendete.

Gratulation an Kiel zum überlegenen Staffelsieg, Glückwunsch nach Mülheim zum Klassenerhalt – Delmenhorst wünschen wir viel Erfolg für die Mission Wiederaufstieg! 

Die Abschlusstabelle und allerlei Statistiken gibt es hier:
http://nsv-online.de/ligen/fbl-1819/?staffel=1395&r=

Herzlichen Dank unseren lieben Gastspielerinnen Irina und Katerina, Ihr wart in jeder Hinsicht eine Bereicherung eine Bereicherung. Dank an Alexandras Mutter für ihre erneut sensationelle Marzipantorte. Dank an unsere Vereinskollegen, die bei Schietwetter nach Groß Grönau gekommen sind, um uns live die Daumen zu drücken – und nicht zuletzt Dank an unsere beiden präsidialen Unterstützer, die keine Mühen gescheut haben, um uns optimale Spielbedingungen zu schaffen!