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Die Ligarunde im Jugendbereich am 17.02.19 brachte uns gleich 6 Heimspiele, die entweder im Klubheim oder in unserem Ausweichdomizil für Notfälle, Diakonie „Wilhelmine Possehl“ am Mönkhofer Weg, zu bewältigen waren.

Lediglich das Jugendbundesligateam hatte auswärts zu spielen und das gleich in Göttingen.  Das ist eine Entfernung, die mit „einmal morgens kurz hinfahren" eher nicht zu bewältigen ist. Neben Alexander und Frederik fehlte uns auch noch Fin Niklas. Aber mit Alexandra und Alva hatten wir zwei erfahrene Spielerinnen dabei, die dem Team an den beiden letzten Brettern Sicherheit und Festigkeit geben sollten.

Der Göttinger Wahlspruch lautet: „Extra Gottingam non est vita, si est vita non est ita“ -  „Außerhalb Göttingens gibt es kein Leben; gibt es Leben, dann kein solches“. Also machte sich die Lübecker „Untoten“, begleitet von dem Berichtverfasser am 16. Februar 19 auf in die Stadt prominenter Geistesgrößen wie  Carl Friedrich Gauß und Herber Grönemeyer.

Die Anfahrt mit dem Zug war (im Gegensatz zur Rückfahrt) weitgehend unproblematisch. Alle waren rechtzeitig auf dem Bahnhof, Tom Linus waren die Tickets anvertraut, niemand ließ beim Umsteigen in Hamburg ein Gepäckstück zurück und kurz nach 18.00 Uhr erreichten wir die südniedersächsische Universitätsstadt an der Leine.

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Ralf Christ hatte uns die Übernachtung organisiert. Selbstverständlich im Rahmen der Sparsamkeit und der Wirtschaftlichkeit – wie es sich gehört. Das „Box Hotel“ war nur ein kleiner Fußmarsch vom Bahnhof entfernt. Eine ganz neue Erfahrung. Das Unternehmen bewirbt sich selbst wie folgt:

„Das BoxHotel bietet Ihnen Übernachtungsmöglichkeiten zu einem äußerst attraktiven Preis-Leistungsverhältnis an. Schlafen muss nicht teuer sein! Übernachten Sie bei uns auf der besten jemals von Stiftung Warentest getesteten Matratze, kommen Sie in den Genuss einer architektonisch einzigartigen Raumnutzung, von High-Speed-WLAN und vielen weiteren Annehmlichkeiten. All das bieten wir Ihnen zu einem unschlagbaren Preis an, welcher deutlich unterhalb des Marktdurchschnitts liegt“.

Eine gute Wahl von Ralf. Zentral gelegen, preisgünstig, sauber und sogar vor Ort eine Rezeption, die uns hilfreich zur Seite stand. Ein Bett, eine Waschschüssel, was braucht man mehr. Das einzige irritierende Moment waren die indischen Toiletten („Jenseits des Ganges“). Also alles gut.

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Wenige Schritte davon entfernt das „Vapiano“, ein italienisches Restaurant, welches etwas an eine Mensa erinnerte. Aber alle waren mit ihrer Pizza glücklich und wir erlebten nette 2 Stunden, bevor sich alle in ihre Zimmer bzw. Boxen zurückzogen.

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Anderntags zwischen 8.00 und 9.00 Uhr tauchten alle wieder auf. Der eine oder andere holte sich von der vis-à-vis gelegenen Tanke noch eine Brotzeit, denn das Box-Hotel bot nur kostenlosen Kaffee, Tee oder Wasser.

Das Klubhaus des ASC Göttingen in der Südstadt war das  Domizil des  Göttinger Jugendbundesligateams. Und hier trafen wir auch einen alten Bekannten, Tom Behringer (Doppelbauer Kiel), allen noch wohlbekannt, u.a. als Spielleiter Einzel oder in der Verantwortung der Öffentlichkeitsarbeit bei der SJSH. Jetzt studiert Tom in Göttingen und nimmt bei Rochade Göttingen das dritte JBL-Brett ein.

Nachdem der Wettkampf gestartet war, machte ich einen kleinen Spaziergang in der näheren Umgebung. Zwar immer noch Februar, aber frühlingshaftes Wetter – obwohl das Äquinoktien noch in weiter Ferne (20. März) lag.

Als ich zurückkehrte hatte ich den Eindruck, dass sich die Partien in die „richtige Richtung“ entwickeln. Den Anfang machte Martin, der den unterentwickelten Damenflügel (Vier-Springer-Spiel) seines Gegners Alexander Kanzow zu einem taktischen Überfall nutzte – Matt in 19 Zügen.

Tom Linus an Brett 3 gegen Tom Behringer (Italienisch) folgte ihm in ähnlicher Weise. Seine Partie war noch kürzer.

Die Begegnungen an Brett 2 (Tigran – Pavel Mimkes, Damenbauernspiel), 4 (Tilo – Rita  Nizamova, Drachen) und 6 (Alva – Philipp Schütz, Caro Kann) verliefen nach ähnlichem Muster ab. Ein gefährlicher Freibauer führte zum Materialgewinn und letztlich zur gegnerischen Aufgabe. Jedenfalls erstmal bei TT (Tigran und Tilo).

Bei der Partie von Alexandra (Russisch) kamen leichte Bedenken auf. Die schwache Grundlinie konnte ihr Gegner taktisch zu einem Qualitätsgewinn nutzen. Kurz darauf an diesem Brett ein Aufschrei. Alexandras Gegner Arne Schütz fasste sich entsetzt an den Kopf. Was war geschehen? Ich schaute auf das Brett. Statt einer Qualität weniger freute Alexandra sich über eine Mehrfigur. Arne hatte schlicht einen ganzen Turm eingestellt. Ob dieses nun ein Versehen war oder ein Übersehen, nämlich, dass nach dem Schlagen des Turms mit der Dame, diese zugleich auch nun das drohende Mattfeld überdeckte, entzieht sich meiner Kenntnis. Wie auch immer, Arne war kaum zu beruhigen („Das war doch glatt gewonnen“).

Alexandra  berührte das jerdenfalls offenkundig wenig. Sie tauschte routiniert alles ab und irgendwann folgte dann auch die Aufgabe, wobei (wenn ich recht erinnere) ihr Gegner die letzten 10 Züge im Stehen absolvierte.

Beim beruhigenden Vorsprung von 5:0 war Alva immer noch in Arbeit. Mittlerweile hatte sich das Stellungsbild ein wenig verändert, Zwar verfügte sie immer noch über ein Plus von 2 Bauern. Doch auf beiden Seiten waren noch 2 Türme und 1 Dame im Spiel. Ein Abtausch der Schwerfiguren, der das weitere Vorgehen erleichtert hätte, kam nicht zustande. Stattdessen konnte ihr Gegner ekelige Mattdrohungen aufstellen, die Alva zwar parieren, aber auch keine spielentscheidenden Fortschritte konnte, und so einigte man sich auf Remis.

Wahrscheinlich war die Partie „irgendwie“ auch gewonnen. Aber wenn und vielleicht hilft nicht viel – oder wie Ex-Nationalspieler Lothar Matthäus es kürzlich formulierte: „Wäre, wäre, Fahrradkette“.

Also ein klarer 5,5 zu 0,5 Sieg, der momentan (also vor den Spielen gegen Flensburg, Delmenhorst, Lehrte und Hagen) hinter dem HSK und Post Uelzen Rang 3 bedeutet. Vor der Rückreise nach Lübeck war noch viel Zeit, in der man sich einige Stunden mit Tandem Münzschach und ähnlichen schwer durchschaubaren Marotten vertrieb.

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Dann nochmal zum Box-Hotel, weil da jemand am Morgen sein Handy in der Ladebox vergessen hatte. Der IC nach Hamburg hatte dann noch 20 Minuten Verspätung und ein weiterer ungeplanter Stopp noch in HH-Harburg. Ein Fahrgast musste per RTW ins Krankenhaus gebracht werden. Nun, das kann man dem Unternehmen DB schwerlich vorwerfen. Letztlich kamen wir in Lübeck 1 Stunde später an, als geplant. Der Interregio HH – HL schaffte die 60 km tadellos!

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